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DAVVL e.V. Arbeitsgruppe Flughafenökologie

Vorsitzender: Wolfgang Klapdor, ehem. Flughafen Köln/Bonn GmbH

Flughäfen sind zwar stark anthropogen beeinflusste, aber auch dynamische Ökosysteme, die meist aus einer Vielzahl verschiedener und oft unterschiedlich bewirtschafteter Biotope bestehen. Jedes Biotop besitzt eine für ihn typische Avifauna; daraus erklärt sich die Komplexität des Vogelschlagproblems.
Als Ende der fünfziger Jahre das „Düsenzeitalter“ begann und Vögel zu einem ernsten Flugsicherheitsproblem wurden, versuchte man dieser Gefahr zuerst durch den Einsatz verschiedenster technischer Geräte akustischer und visueller Art bzw. durch Abschuss oder Einsatz chemischer Mittel zu begegnen - aber ohne nennenswerten Erfolg! Die Lösung des Problems lag vielmehr in der Einführung biologischer bzw. ökologischer Verfahren. Es wurden zunächst Konzepte erarbeitet, die von der Erkenntnis ausgingen, dass Flughafenbiotope nur über eine extensive Bewirtschaftung und eine damit einhergehenden Renaturierung für flugsicherheitsrelevante Vogelarten weniger attraktiv gemacht werden konnten. Für die erfolgreiche Umsetzung dieser Erkenntnis in die Praxis war und ist es notwendig, unter den speziellen Gegebenheiten eines jeden Flughafens die Zusammenhänge zwischen wirksamen Umweltfaktoren und den Lebensraumansprüchen der verschiedenen Vogelarten präzise zu analysieren, um so spezielle Methoden der Vergrämung zu entwickeln. Diese konnten nur in einer Beeinflussung der für die zu vergrämenden Vogelarten wichtigen Schlüsselfaktoren bestehen.

Für jeden Flughafen werden deshalb ökologische Gutachten erstellt, in denen die Bedeutung von Boden, Wasser, Klima, Vegetation, Bewirtschaftung und Tierwelt für die jeweilige Vogelart analysiert wird. Diese Gutachten, welche die aus aktuellen Vogelschlagstatistiken gewonnenen Erkenntnisse berücksichtigen, werden ständig fortgeschrieben, so dass auch Detailmaßnahmen den jüngsten Entwicklungen und den sich ständig ändernden ökologischen Gegebenheiten auf den Flughäfen Rechnung tragen. So wurde die auf den meisten Flughäfen seit Jahrzehnten übliche Kurzgras-Mulchwirtschaft auf eine z.T. differenzierte, extensive Langgrasbewirtschaftung umgestellt. Für ausgedehnte Besenheide- und Heidemoorflächen wurden im Rahmen von Landschaftspflegemaßnahmen Renaturierungsprogramme entwickelt, und ausgedehnte ackerbaulich genutzte Flächen wurden in Nieder- oder Mittelwald umgewandelt. Auf diese Weise schaffte man Biotope, die für flugsicherheitsrelevante Vogelarten wie Möwen, Kiebitz, Krähen, Star und Bussard wenig attraktiv sind. Neben dem Flugsicherheitsaspekt solcher Maßnahmen ist auch deren biologische Bedeutung zu würdigen, denn die so gestalteten Biotope haben einen weit höheren ökologischen Wert als intensiv bewirtschaftete, in ihrer Lebewelt absolut eintönige Grünland- und Ackerflächen. Über diese Eingriffe kommt es zu einem Austausch schwergewichtiger, d.h. flugsicherheitsrelevanter, gegen leichtgewichtige Vogelarten. Durch diese Maßnahmen nahm im Grünflächenbereich der Flugplätze die Zahl von Kleinvogelarten zu, während die Zahl der meist individuenstarken flugsicherheitsrelevanten Allerweltsarten wie Krähen und Möwen abnahm.